Rückblick auf ein Seminar mit einem Wiki, Blogs und mehr

In diesem Beitrag möchte ich das erste Seminar welches ich an der Uni angeboten habe reflektieren. Diese Erfahrungen möchte ich hier mit Ihnen teilen und freue mich über Anregungen um das Vorgehen in kommenden Seminaren zu optimieren.

Ich werde diesen Beitrag in folgende Teile aufsplitten:

  1. Beschreibung des Seminars (Intention, Teilnehmer,Ziele)
  2. Herangehensweise (Programm, Tools…)
  3. Erfahrungen
  4. Erkentnisse

  1. Beschreibung des Seminars (Intention, Teilnehmer, Ziele)
  2. Das Seminar wurde an der Universität Hamburg im Sommersemester 2008 für Studierende der Erziehungswissenschaft angeboten. Eine weitere Zielgruppe waren die Studierenden des internationalen Masterprogrammes ePedagogy Design – Visual Knowledge Building der Universität of Art and Design in Helsinki/Finnland. Die Studenten dieses Studienganges sind auch während des Semesters über den gesamten Globus verteilt, so wie in in Weys und Christinas Seminar.
    Das ist der Grund warum das Seminar in englischer Sprache angeboten wurde und so konzipiert werden musste, dass eine Teilnahme frei von räumlicher Präsenz einzig über das Internet ermöglicht werden musste.
    Nach den ersten zwei Seminarsitzungen stellte sich heraus, dass ausschlisslich Studierende aus Hamburg am Semninar teilnehmen würden. Das ist der Grund für die Anpassung der Veranstaltungsplanung von einer reinen Onlineveranstaltung zu einer gemichten On- und Offline Veranstaltungen, so dass die Teilnehmer sich persönlich im Seminarraum treffen konnten.

    Ziel des Seminars war es den Studenten ein Grundwissen zum Thema eLearning zu vermitteln, sowie Vor- und Nachteile verschiedener Arten von eLearning und den verfügbaren Plattformen sowie deren Beziehungen verschiedenen Lernformen herzustellen.
    Selbstverständlich sollten auch die Bedürfnisse der Studierenden berücksichtigt werden. Eine dieser Ansprüche war mehr über die Tools zu erfahren die zum eLearning oder zur Unterstützung von eLearning eingesetzt werden können.

    Grundsätzlich gab es zwei Möglichkeiten zum Scheinerwerb. Die erste Möglichkeit bestand darin eine kleine eLearning Einheit – z.B. in Form eines MultiMedia-Snippets – zu erstellen und hierzu ein Essay zu schreiben. Die zweite Möglichkeit bestand darin ein ePortfolio in Form eines Weblogs zu schreiben und sich am Ende des Semesters in einer Mündlichen Prüfung mit den Inhalten des Portfolios zu beschäftigen.
    Alle Studenten dieses Seminars entschieden sich für die Möglichkeit ein Blog zu führen.

  3. Herangehensweise (Programm, Tools…)
  4. Der Ablaufplan dieses Seminars besteht aus 14 Sitzungen. Die erste Sitzung sollte dazu dienen, dass die Teilnehmer des Seminars sich gegenseitig kennenlernen und einen Überblick darüber zu gewinnen welche Vorkenntnisse bei den Studierenden, zum Thema eLearning, bereits vorhanden sind.
    Eine der größten Herausforderungen während des Seminars war es eine tragfähige Definition des Begriffes eLearning zu finden oder wenigstens aus den bestehenden Definitionen eine zu identifizieren die den Begriff optimal beschreibt.
    Mit der Hilfe einer Bilderauswahl wurden die Seminarteilnehmer in Gruppen unterteilt um anstehende Projekte zu bearbeiten.
    Innerhalb dieser Projekte waren die Kleingruppen damit beauftragt typische Begriffe aus der eLearning Welt (LMS, PLE u.ä.) in Form von Mini-eLearning Einheiten erstellen. Für diese Gruppenarbeit wurde ein großer Teil der Zeit reserviert, damit die Teilnehmer zunächst Zeit hatten das Thema zu explorieren, die Inhalte in eine Form zu bringen, um sie als eLearning Einheit zu präsentieren und letztendlich das Produkt zu präsentieren, sowie sich mit dem Seminar über die Erfahrungen aus dem Erstellungsprozess auszutauschen.

    Ein Ergebnis welches mir sehr gut gefallen hat war das Video über PLE’s von Matina und Daniel.

    Du Studenten waren aufgefordert ihrer persönlichen Lernorte und Lernarten zu reflektieren, weshalb wir eine Session zum Thema persönliche Lernarrangements veranstaltet haben.
    Eine Seminarsitzung lief komplett online und zeitlich Synchron. Wir nutzten Skype TM und Adobe® Connect TM, um diese Sitzung zu gestalten.

    Im weiteren Verlauf des Seminars gab es On- und Offline Sitzungen zum Thema Lerntheorien. Die Studierenden sammelten Informationen über verschiedene Lerntheorien im Seminarwiki und in einer Kurzen Präsentation wurden diese Ergebnisse später vorgestellt. Um diese Präsentationen zu unterstützen haben die Studierenden versucht die Lerntheorien zu visualisieren.
    Behaviourism Cognitivism Constructivism #172 Connectivism
    Neben Behaviourismus, Kognitivismus und Konstruktivismus haben wir uns auch mit der Theorie des Connektivismus beschäftigt, auch wenn dies bisher nicht als Lerntheorie verstanden wird.

    Unterhalb dieses Absatzes ist eine Übersicht über die technische Infrastruktur des Seminars zu finden.
    Die Pfeile zeigen einige der Hauptkommunikationswege die mit Hilfe der verschiedenen Tools genutzt wurden.
    Wie bereits erwähnt nutzten alle Studenten Blogs um ein persönliches ePortfolio für dieses Seminar zu erstellen. Die Einträge der Studenten wurden mit Hilfe von RSS in das gemeinsame Seminarblog aggregiert. Dieses gemeinsame Blog enthielt ausserdem Links zu den Studentenblogs. Durch diese Infrastruktur hatte jeder Teilnehmer eine individuelle Plattform um Ideen, Fragen, Medien und andere Ressourcen zu sammeln und zusätzlich hatten wir ein gemeinsam genutztes Weblog in dem alle Einträge der Studenten gesammelt und generelle Kursinformationen ausgegeben wurden.
    Seminarstruktur

  5. Erfahrungen

  6. Ein Weblog als zentrale Plattform für das Seminar zu benutzen scheint mir, retrospektiv gesehen, eine gute Lösung zu sein. Durch das Blog wird eine chronologische Repräsentation der Inhalte unterstützt. Dies bildet somit den Verlauf des Seminars ab. Tags (Schlagworte) und Kategorien unterstützen andererseits eine Inhaltliche Darstellung der Seminarinhalte innerhalb der selben Plattform.

    Definitionen und generelle Inhalte des Seminars wurden im Wiki gespeichert. Oft ging diesen eine etwas breitere Diskussion über mehrere Blogs der Seminarteilnehmer voraus. Das Wiki wurde ebenso für kollaborative Schreibprozesse genutzt, was sich als sehr erfolgreich erwies.
    Um diese Ziele erreichen zu können musste ein erheblicher Teil der verfügbaren Zeit eingesetzt werden um technische Hürden zu überwinden und um die Studierenden mit Werkzeugen wie Wikis und Blogs vertraut zu machen.

    Ich kannte diese Werkzeuge bereits vorher sehr gut und halte dies auch für einen sehr wichtigen Punkt. Ein Seminar ist nicht der richtige Ort/Moment um diese Techniken auszuprobieren, insbesondere dann nicht, wenn sie die Hauptinfrastruktur für das Seminar darstellen. Neben der Vermittlung/Sammlung theoretischer Inhalte haben wurden viele Inhalte auch durch Learning by doing und Learning by teaching erarbeitet.

    Ein gutes Beispiel ist das oben erwähnte Video über PLE’s. Die Studenten haben gelernt wie schwierig und Zeitaufwändig es ist einen kurzen Videofil zu produzieren. Ich meine dies nicht nur in technischer Hinsicht, ein Storybook für ein kurzes Lehrvideo zu entwickeln und geeignete Inhalte hierfür zu wählen ist ein Teil. Der Umgang mit dem Urheberrecht, verschiedenen Lizensierungsrichtlinien dieses video zu erstellen und online verfügbar zu machen ist ebenfalls eine wichtige Lernerfahrung. Nach Abschluss dieser Prozesse war der Austausch, mit den Kommilitonen, wie diese Aufgabe bewältigt wurde ein wertvoller Abschluss dieser Miniprojekte.

  7. Erkenntnisse
  8. An dieser Stelle möchte ich ein paar Dinge zusammentragen die mir im Rahmen der Seminargestaltung aufgefallen sind und die ich für kommende Seminare im Hinterkopf behalten und hier teilen möchte.

  1. Mit Studenten zu arbeiten kann sehr viel Freude machen!
  2. Investiere etwas viel Zeit um sicherzustellen, dass die Technik zuverlässig arbeitet.
  3. Studierende mögen es ihren eigenen Bereich im Seminar zu haben on- und offline..
  4. Denke an die Datensicherheit (der Studenten)!
  5. Wähle nur technische Werkzeuge die Deine Ziele wirklich unterstützen!
  6. Nicht den Inhalt vergessen (bei all der Technik).
  7. Probiere Dinge aus, trau Dich etwas, aber bring dadurch nicht das Seminar in Gefahr!
  8. Der Lehrende oder besser gesagt der Verantwortliche für das Seminar sollte über sichere Anwenderkenntnisse der technischen Werkzeuge besitzen.
  9. Sei kreativ!
  10. Frag nach und gib Feedback.
  11. Animiere die Seminarteilnehmer zum kollaborativen Arbeiten und zum Austauschen ihrer Erkenntnisse. (Es scheint, als hätten Sudenten das Gefühl es ist nicht ok Informationen auszutauschen oder gemeinsam am selben Thema zu arbeiten!?)

Ich bin sehr an Ergänzungen und Kommentaren in jeder Hinsicht interessiert.

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Mittwoch, September 24th, 2008 Szenarien Link twittern

8 Comments to Rückblick auf ein Seminar mit einem Wiki, Blogs und mehr

  1. Vielen Dank für die Einblicke in die Vorgehensweise Ihrer Arbeit,
    Grüße aus Berlin,

    M. Riemer

  2. Martin Riemer on September 24th, 2008
  3. […] content Diese Nachbetrachtung wurde von Ralf Appelt zu unserem Seminar verfasst. Das Original ist hier zu […]

  4. Rückblick auf ein Seminar mit einem Wiki, Blogs und mehr « Haukie’s Weblog on Oktober 1st, 2008
  5. […] durch das vergangene Semester und den Einsatz eines Blogs als zentrale Online-Plattform zur Begleitung eines Seminars stellt sich mir in Vorbereitung auf das kommende Semester folgende Frage: Wie sieht ein optimales […]

  6. 11 Fragen zur Gestaltung von Seminarblogs | LOVE it or CHANGE it . com on Oktober 6th, 2008
  7. […] durch Web 2.0 Tools” angeboten. Im Rahmen der regulären Session habe ich im Wesentlichen meine Erfahrungen aus dem letzten Semester vorgestellt und mit den Teilnehmern die damit verbundenen Chancen und Probleme besprechen. Wer sich […]

  8. EduCamp - Session(s) Web 2.0 in Seminaren | LOVE it or CHANGE it . com on Oktober 15th, 2008
  9. Hallo Herr Appelt,

    ich habe heute gerade eine spannende Tagung veranstaltet (Details demnächst auf http://www.infoconomy.de) und komme immer mehr zu der Überzeugung, dass wir web 2.0 Technologien in der Lehre einsetzen müssen, weil Sie in Unternehmen immer relevanter werden. Sie beschreiben sehr gut, wie Sie Ihr Seminar gemacht haben – ich würde gerne etwas mehr wissen über die Blog-Konstruktion, also das Wechselspiel zwischen Seminar- und Studierendenblogs. Was kommt in das Seminarblog, was gebe ich den Studierenden für ihre Blogs auf und wie verknüpfe ich die Blogs. Manches habe wir sicher im Seminar hier in Köln besprochen, aber ich habe es nicht mehr parat. Können Sie mir da ein paar Hinweise geben?

    Viele Grüße
    Frank Linde

  10. Frank Linde on Oktober 31st, 2008
  11. Hallo Herr Linde,
    schön zu hören, dass Sie noch am Thema dran sind.
    Ich werde Ihre Frage demnächst in einem separaten Eintrag beantworten, so dass ein entsprechendes Szenario „nachgebaut“ werden kann.

    Grüße aus Hamburg,
    Ralf Appelt

  12. Ralf Appelt on November 26th, 2008
  13. […] Rückblick auf ein Seminar mit einem Wiki, Blogs und mehr | LOVE it or CHANGE it . com […]

  14. diigo 01/30/2009 (a.m.) | synapsenschnappsen on Januar 30th, 2009
  15. […] Nachbetrachtung wurde von Ralf Appelt zu unserem Seminar verfasst. Das Original ist hier zu […]

  16. Rückblick auf ein Seminar mit einem Wiki, Blogs und mehr - das Informatische und die Bildung on Dezember 13th, 2010

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    Vielen Dank für 291 Kommentare auf
    love it or change it .com

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